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Monatstext Januar 2023, Pfarrerin Petra Walker

Monatstext Januar 2023, Pfarrerin Petra Walker

(Un)genauer Kalender

Das neue Jahr wird jährlich um Mitternacht am Silvester eingeläutet. Warum ist das so? Seit 1582 gibt es den gregorianischen, also unseren jetzigen Kalender. Damals war Gregor XIII. Papst und seine Gelehrten hatten ein Problem: die Jahre waren zu lang. Seit der Antike orientiert sich das Kalenderjahr an der Sonne. Ein Sonnenjahr dauert zirka 365,24 Tage. Da sich aber gerade 0,24 Tage im Kalender kaum unterbringen lassen, führte man schon damals alle vier Jahre einen Schalttag ein. Durch diesen Schalttag dauerte dann ein Kalenderjahr im Schnitt etwa 365,25 Tage. Das Kalenderjahr ist also im Vergleich zum Sonnenjahr zu lange. Aber gerade dieser kleine Unterschied von ca. 0,01 Tagen führte während Gregors Pontifikat dazu, dass sich der Jahresanfang im Verhältnis zur Sonne um ganze 10 Tage verschoben hatte. Irgendwann hätte man dann also Silvester im Sommer gefeiert. Diesem Trend wollten die Gelehrten Gregors entgegentreten. Und das zwar so: das Jahr 1582 verkürzten sie um 10 Tage. Auf den 4. folgte direkt der 15. Oktober. Wenn also der Kalender von Gregor gültig bleibt, können wir davon ausgehen, dass wir das neue Jahr weiterhin im Winter feiern. Auch hier die Frage: warum ist das so? Da müssen wir zeitlich noch einmal weiter zurückspulen. 45 v. Chr. bestimmte Cäsar, der damals über die römische Republik herrschte, über den Kalender. Auch seine Gelehrten hatten ein Problem: der römische Kalender probierte nämlich den Wechsel von Tag und Nacht, den abnehmenden und zunehmenden Mond und die Tage, die während des Jahres kürzer und länger wurden, rechnerisch miteinander in Einklang zu bringen. Das funktionierte aber nicht. Cäsar entschied sich kurzerhand, dass von nun an die Mondphasen ignoriert werden sollten und man sich an der Sonne zu orientieren hatte. Die zwölf Monate, die dem römischen Kalender mit Rücksicht auf die Mondphasen den Rhythmus vorgaben, lösten sich nun von diesen ab. Cäsars Kalenderjahr war jedoch immer noch ein bisschen zu lange. Und Ende Februar, so wie wir es bis heute kennen, legte er alle vier Jahre einen Schalttag ein. Auch hier die Frage: warum ist das so? Hätte er diesen Schalttag nicht einfach zum Jahresende im Dezember anfügen können? Das tat Cäsar, aber das Jahresende bei den Römern war im Februar und nicht wie bei uns im Dezember. Die Römer feierten lange am 1. März Neujahr, weil es um diese Zeit meteorologisch wieder trocken und warm genug war, um mit den Soldaten in den Krieg zu ziehen. Darum ist der März, vom lateinischen Mars, der der Kriegsgott der Römer war, auch ihm gewidmet. Die Römer waren aber nicht nur auf Feldzügen unterwegs, sondern festeten auch gerne. Und so feierten sie noch einen 2. Jahresanfang. Das war dann tatsächlich im Januar der Fall. Der Januar war dem Gott Janus gewidmet. Dieser Gott war für Türen, Tore und Durchgänge und auch für neue Zeitabschnitte zuständig. Er war sozusagen der Gott der Übergänge. Und am 1. Januar wurden in Rom auch die beiden Konsule, die die Stadt im nächsten Jahr regieren sollten, eingesetzt. Dazu und zum neuen Jahr beschenkten sie die Römer mit Datteln und Honigkuchen.
Ich wünsche Ihnen nicht nur für das neue Jahr, das bald anbricht, sondern bei sämtlichen Übergängen, die kommen, möglichst süsse Datteln und süssen Honigkuchen.

Pfarrerin Petra Walker

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