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Monatstext Januar 2022 von Pfarrerin Petra Walker

Monatstext Januar 2022 von Pfarrerin Petra Walker

Zeit als Gabe und Aufgabe ...

«Weil alles so vergeht, was Dich einst freute und was Dir weh getan: Trink Deinen Wein! Was gestern morgen war, ist heute heute. Was heute heute ist, wird morgen gestern sein.»
Mascha Kaléko.

Das Verrinnen der Zeit, das Mascha Kaléko in ihrem Gedicht anspricht, spüren wir besonders in diesen Tagen, wenn das alte Jahr noch ist und das Neue im Begriff ist zu werden. Unser Leben ist ausgespannt und eingebettet zwischen gestern und morgen, zwischen Erinnerung und Erwartung. Liegt dazwischen etwa die Unendlichkeit?

Am Ende jedes alten Jahres und zu Beginn jedes Neuen frage ich mich immer: Was war? Was wird werden? Wird bleiben, was und wer mir lieb und teuer ist? Wird sich das ändern, was mir zu denken gibt? Mit was bin ich zufrieden im alten Jahr und was erwarte ich vom neuen Jahr? Was wünsche ich anderen Menschen für das neue Jahr und was wünsche ich mir? Kennen Sie solche Fragen und wenn ja, stellen Sie sich diese auch oder verdrängen Sie sie lieber?

Alle von uns haben nicht nur ein Jahr mehr hinter sich. Alle von uns haben auch ein Jahr weniger vor sich. Unsere Zeit hier ist befristet. Wann, dass unsere Frist hier abläuft, liegt nicht in unseren Händen. Dafür ist getrost ein Anderer zuständig.

Noch liegt das neue Jahr wie ein leerer Krug vor uns. Womit wird er sich im Verlauf des Jahres wohl füllen? Mit was wünschen Sie sich, dass sich Ihr Krug füllt? Für meinen Krug wünsche ich mir, dass er sich weder mit «Grümpu no mit biuigem Ramsch» füllt. Ich wünsche mir beseelte Stunden mit Freunden und Freundinnen und mit meiner Familie. Und ich wünsche mir und Ihnen übrigens auch, mit Gottes Hilfe, Frieden in der Seele. Wie Jesus im Markusevangelium frage ich: «Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden?» Der Frieden in der Seele ist unbezahlbar im Vergleich zu weltlichen Gütern und vermutlich gerade deswegen so wertvoll. Und darum sage ich wie Jesus im Matthäusevangelium: «Sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost sie zerfressen, wo keine Diebe einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.»

Wo liegt Ihr Schatz, Ihr Krug (vergraben)? Ich bin mir sicher, dass wir alle im neuen Jahr viele Möglichkeiten haben, (unsere) Schätze auszugraben und dabei unseren Krug mit gutem Wein, der am Tag danach nicht mit Kopfschmerzen nachhallt, füllen können.

Ich wünsche Ihnen, dass die Zeit im neuen Jahr für Sie nicht alleine eine Aufgabe ist, die Sie zu bewältigen haben, sondern auch eine Gabe ist, bei der Ihnen zwischendurch das Herz aufgeht und die Zeit ein Stück werdende Ewigkeit wird.

Petra Walker, Pfarrerin

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