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Monatstext April 2021

Monatstext April 2021

Geheimnisvoll und unglaublich

Diese Sache mit der Auferstehung Jesu steht quer zu allem, was ein rational denkender Mensch sich vorstellen kann. Unsere westliche Welt ist weitgehend befreit von irrationalen Vorstellungen. Auch aus unserem christlichen Glauben haben wir sie entfernt wie peinliche Überreste einer früheren, unaufgeklärten Zeit. Dafür glauben heute immer mehr Menschen an die Reinkarnation, die Wiedergeburt unserer Seele in einem anderen Körper. Oder daran, dass die Sternenkonstellation bei der Geburt Einfluss hat auf den Verlauf unseres Lebens. Kann es sein, dass uns das Irrationale eben doch fasziniert? Wie wär’s, wenn wir das Fremde und Unerklärliche auch in unserer eigenen Religion wieder mehr entdecken würden? Das Mystische, Geheimnisvolle, die Gott-Zeit mitten in der Welt-Zeit. Die Spuren Gottes sind oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, entziehen sich unserem Zugriff, verlaufen ganz anders als erwartet.

Kreuzwege
Was sich damals in Jerusalem abgespielt hat, ist ein Drama, das die Weltgeschichte verändert hat. Aber nicht so, wie die Mehrheit es erhoffte. Jesus vollendete sein Werk nicht mit einem grossartigen und alles verändernden Befreiungsschlag, sondern er ging seinen Weg bis zum verachtungsvollen Tod am Kreuz, allein und schweigend. Selbst seine engsten Freunde schafften es nicht, ihm seine letzte Bitte zu erfüllen: zu wachen und zu beten.
  Daran muss ich in letzter Zeit oft denken. Die Wege des Glaubens sind nicht spektakulär, sondern bestehen oft lediglich aus «wachen und beten». Zentrum und Grundlage unseres Glaubens ist nicht ein über allem schwebender unantastbarer Herrschergott, sondern ein Mensch, der sich mit letzter Konsequenz mit dem Leiden der Menschheit identifiziert hat und «alles auf sich genommen hat». Dazu gehörte auch das Gefühl, von Gott verlassen zu sein. Doch mit ihm hat Gott sich voll und ganz identifiziert. So deuten es jene, die seine Geschichte aufgeschrieben haben. Und das glaube auch ich. Daher gibt es keinen menschlichen Zustand, der nicht aufgehoben ist in diesem Menschen, der die allumfassende Liebe Gottes verkörpert. Dieser Menschensohn, der alles trägt, alles duldet, und der am «dritten Tag» zum Leben erweckt wird. Die schöpferische Liebe, die dort wirkt, wo Worte verstummen. Es ist die Kraft, die Risse und Wunden heilt.

Woran erkennen wir ihn?
In den Tagen zwischen Ostern und Himmelfahrt erzählen die biblischen Schriften davon, dass der auferstandene Jesus verschiedenen Leuten der damaligen Zeit erschienen ist. Real, sichtbar, teilweise sogar spürbar. Er brach das Brot. Oder machte Feuer und briet Fische. Er kam unerwartet – und verschwand jeweils auch wieder, plötzlich. Die Menschen reagierten mit Schaudern, Schrecken, Zweifeln.
  Zurück blieb seine Wirkung: wie ein frischer Wind, stärkend, ermutigend, bahnbrechend. An dieser Wirkung können wir ihn erkennen. Auch heute noch. Uns auf die Spuren Christi begeben bedeutet, mit warmen Herzen auf die Kraft des Geistes Gottes vertrauen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine tröstliche, kräftigende Karwoche, und frohe Ostern!
Susanna Meyer, Pfarrerin

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