Monatsspruch März 2019:

«Richtet euer ganzes Leben nach Gott aus und hört ausschliesslich auf ihn.»  

(Sam 7,3)

 

 


Sonntag, 24. März, 9.30 Uhr: Senioren-Gottesdienst mit Taufe

Peter Raich, Pfarrer und Hans Balmer, Orgel

Anschliessend "Kaffee und Züpfe" im Saal des Sternenzentrums



Monatstext für März 2019 von Pfarrer Peter Raich

Zwingli und das Froschauer Wurstessen

Nach Luther hat nun auch Huldrych Zwingli einen neuen, zeitgemässen Spielfilm erhalten. Er lief am 17. Januar in den Kinos der Schweiz an und ist mit vollen Sälen ein grosser Erfolg. Im Film tauchen wir ein in eine Welt (vor 500 Jahren), die uns in vielem fremd, aber in so manchem durchaus sehr bekannt vorkommt. Wir lernen einen jungen Priester kennen, der gerade in Zürich ankommt, wo er zum Erstaunen aller schon in der ersten Messe statt in Lateinisch auf Deutsch predigt. Fastengebot, Fegefeuer, Ablasshandel und Heiligenbilder hält er für Erfindungen der römischen Kirche, die er abschaffen will. Nach drei Amtsjahren inszeniert er am 9. März, einem Fastensonntag, einen Tabubruch, um die kirchlichen Speiseverbote zu verhöhnen: In der Druckerei von Christoffel Froschauer isst ein Dutzend Männer trotz Verbot Wurst. Priester Zwingli isst nicht mit, verteidigt seine Freunde aber später in der Predigt, die er per Sonderdruck unter dem Titel «Fryheit der Spysen» verteilen lässt. Das Fastengebot sei menschengemacht und stehe nirgends in der Bibel.

Es ging nicht nur um die Wurst

So wurde der Fastenbruch ein öffentliches Thema: Befürworter und Gegner der Fastengebote beschimpften sich nicht nur, sondern verprügelten sich auch, und Zwingli sollte gar entführt werden. Der Rat von Zürich (nicht die Kirche) ordnete sofort eine Untersuchung über das Fastenbrechen an, als das Wurstessen publik wurde und verurteilte zunächst den Fastenbruch. Geradezu revolutionär bzw. reformatorisch hochbrisant war aber seine Entscheidung als weltliche Behörde, in der Fastenfrage nur noch gelten zu lassen, was die Bibel dazu erlaubt bzw. verbietet. Ein Jahr später wurden alle Fastengesetze aufgehoben. Der Rat hatte damit in eigener Entscheidung Zwinglis Schriftprinzip übernommen, akzeptierte die Bibel (in Zwinglis Auslegung!) also als alleinige Grundlage für sein kirchenpolitisches Handeln, womit die ganze Tradition der bisherigen Kirche beiseitegeschoben wurde! Das Wurstessen bei Froschauer wurde dadurch ein wesentlicher Baustein der Reformbemühungen Zwinglis.

Das Aus für die Fastenzeit

In der Reformation ist die Fastenzeit also in Bausch und Bogen samt Heiligenbilder und -statuen, Kerzen, Blumen und sogar Orgeln (Zwingli lehnte diese als Instrument in einer Kirche kategorisch ab!) aus den reformierten Kirchen hinausgeflogen. Mit guten Gründen: Sola scriptura. Nur noch das sollte in der Kirche gelten und getan werden, was sich auch durch die Bibel begründen liess. Doch das war leichter gesagt als getan, denn wer wusste überhaupt, was in der Bibel steht? Oft nicht einmal die Funktionäre der Kirche. Deshalb hat Zwingli hohen Wert auf Bildung für alle Menschen gelegt. Viele fanden dadurch Zugang zu den biblischen Texten und versuchten, ihr Leben daran auszurichten.

Fasten heute

Vieles, dessen Abschaffung damals absolut notwendig war, wurde in der Folge der Reformation überprüft und den Bedürfnissen des Gemeindaufbaus und der Kirchenmitglieder angepasst. Schritt für Schritt kamen die Orgeln, Kerzen, Bilder, Gerüche und Blumen zurück in den Kirchenraum. Auch neue Formen der Fastenzeit konnten sich wieder etablieren. Dass eine Vorbereitungszeit auf Ostern grossen Sinn macht, heilsam und gesund ist für den Leib und für die Seele, ist nicht nur durch die Brot-für-alle-Kampagne seit vielen Jahrzehnten ins Bewusstsein der Kirchenmitglieder gelangt. Ich denke, als Kirchgemeinde sollten wir die ganze Palette unseres Glaubensschatzes fantasievoll und kreativ offerieren, um unseren Mitgliedern ein Leben in Fülle zu ermöglichen. Dazu gehört auch das Fasten im guten Sinn und freiwillig(!). Ja, auch zu einem besseren Leben (z.B. frei von Sucht, Konsumzwang, Gesellschaftsdruck) kann und darf niemand gezwungen werden. Das meint ...

... Euer Pfarrer Peter Raich



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