Monatsspruch September 2018:

«Gott hat für alles eine Zeit vorherbestimmt, zu der er es tut; und alles, was er tut, ist vollkommen»  

(Pred 3,11)

 

 


 

Sonntag, 30. September 2018, 19.00 Uhr, Kirche: Abend-Gottesdienst mit Pfarrerin Salomé Eisenmann, Landiswil (Kanzeltausch)

Eva Probst, Orgel



Monatstext für September 2018 von Pfarrer Peter Raich

Besuch aus Amerika – im Brüggbach

Vor einem Jahr begrüsste Res Wüthrich, Hirt auf dem Sömmerungsbetrieb Brüggbach, ein Ehepaar aus Amerika, das auf der Suche nach einem Bauernhof im Emmental war. Es stellte sich heraus, dass die Ehefrau auf der Suche nach ihren «Wurzeln» ist. Wie ist dies möglich? Wie ist die Vorgeschichte?

Im Zuge der Reformation kam es schon Anfang des 16. Jahrhunderts zu heftigen theologisch-politischen Auseinandersetzungen. Die Menschen hatten plötzlich einen Zugang zu den biblischen Texten gefunden. Die Bibel war ins Deutsche übersetzt worden und durch die Buchdruckkunst erschwinglich. Die Frage, ob und wie die biblische Botschaft ins tägliche Leben integriert werden kann oder sogar soll, erhitzte die Gemüter.

Die Täufer

Dies führte zu einer Bewegung, die eng verflochten war mit dem Bauernstand. Die Bauern erkannten mehr und mehr, wie sie von den Städten und vom Staat ausgebeutet und unterdrückt wurden. Die neu entstandene Bewegung der «Täufer» zielte auf eine radikale Trennung von Kirche und Staat und verweigerten (unter anderem) mit Hilfe des Evangeliums den Kriegsdienst. Dies hatte konkrete Hintergründe und Zusammenhänge.

Radikale Wende nach der Schlacht von Marignano

Vor der Reformation in der Schweiz halfen z.B. Taufbücher, die jungen Burschen im richtigen Alter ausfindig zu machen, um sie für das Kriegshandwerk zu rekrutieren. Die «Täufer» lehnten sich nach der Schlacht von Marignano (1515)gegen diese menschenverachtende und ganz und gar unchristliche Praxis auf. Über 10 000 junge Schweizer Männer waren auf dem Schlachtfeld tot liegen geblieben. Währenddessen verdiente die Obrigkeit ein Vermögen am Krieg. Die Rückkehrer entschieden, ihre Kinder von nun an selbst zu taufen und nicht mehr in Kirchenbücher eintragen zu lassen. Damit wollten sie dem Menschenhandel ein Ende bereiten. Das war die Geburtsstunde der Täufer.

Verfolgung und Flucht

Zwingli, der zunächst auf Seiten der Täufer stand, drehte sein Fähnchen nach der Reformation in Zürich und liess die Täufer sogar verfolgen und etliche in der Limmat hinrichten. Die Täufer flohen in die nahe und weite Welt hinaus, weil sie sich nie wieder am Kriegen beteiligen wollten. Täufer, Wiedertäufer oder Alttäufer wurden sie genannt, weil sie anders als Luther und Zwingli zu der Erkenntnis kamen, dass die Taufe ausschliesslich dann praktiziert werden sollte, wenn die zu Taufenden sich bewusst für den Glauben entscheiden (Gläubigentaufe) können und wollen.

Asyl im In- und Ausland

Zunächst fanden sie als im eigenen Land religiös und politisch Verfolgte Unterschlupf im Berner Jura und auch in den abgelegenen Höfen des Emmentals. Walkringen zählte dabei zu den toleranten Gemeinden und legte sich sogar für die Täufer gegen die Obrigkeit in Bern an. 1585 erliess jedoch der Rat von Bern ein Täufermandat, das die Täufer u.a. mit der meist tödlich endenden «Galeerenverbannung » bestrafte. Dies führte zu weiteren Auswanderungswellen der Täufer bis nach Amerika. Dort bilden bis heute die Mennoniten die grösste Gruppe der Täufer. Die Amischen stammen von Jakob Ammann ab, dessen missglückte Verhaftung in Walkringen im Sommer 1694 im Buch «Geschichte der Gemeinde Walkringen» ausführlich beschrieben wird.

Die Suche nach den Wurzeln

Die Vorfahren der Amerikanerin waren vor Generationen vom Brüggbach ausgewandert und die Annahme ist nahe liegend, dass sie dies aus Glaubensgründen taten.

Am 16. September feiern wir den Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag auf dem Hof der Alpgenossenschaft Brüggbach. Die eigenen Wurzeln suchen und dieser Feiertag haben einiges gemeinsam. Dabei denken wir auch an die belastete Zeit der Verflechtungen von Kirche und Staat.

Der Besuch aus Amerika zeigt uns, dass Menschen nach ihren Wurzeln suchen und fragen. Es kann der erste Schritt sein für eine innere und äussere Versöhnung.

Peter Raich, Pfarrer



Pfarrer Peter Raich
pfarramt@kirche-walkringen.ch
Pfarrhaus
Hauptstrasse 10
3512 Walkringen
031 701 24 72

Sekretariat Kirchgemeinde Walkringen
sekretariat@kirche-walkringen.ch
Sternenzentrum
Hauptstrasse 9
3512 Walkringen
031 701 06 79


Öffnungszeiten Sekretariat:
Montag
08:00–11:00, 15:00–18:00
Mittwoch und Donnerstag
08:00–11:00